Kampf gegen den Spätfrost

Um unzählige Obstbäume vor dem nächtlichen Frost zu schützen, nutzen die Bauern im Alten Land bei Stade eine besondere Methode: Sie beregnen die Bäume und umhüllen jeden einzelnen Zweig mit einem Eispanzer. An manch einem Frühlingsmorgen im März gleicht die Region dann eher einem Winterwunderland.

Ende März. Der Winter verabschiedet sich langsam und macht Platz für den Frühling. Die Natur erwacht, die ersten Blumen schießen aus dem Boden, die Vögel fliegen ihre Runden und die Obstbäume im Alten Land an der Elbe zwischen Hamburg und Stade bilden die ersten Blüten aus. Doch es droht Gefahr: Wenn die letzten Sonnenstrahlen am Horizont erlischen und sich der Tag seinem Ende neigt, fallen die Temperaturen häufig noch einmal unter den Gefrierpunkt. Den Bauern in der Region könnten die kalten Nächte des Spätwinters zum Verhängnis werden - erfrieren die Blüten, ist die Jahresernte gefährdet.


Im ersten Moment klingt die Frostschutzmethode der Bauern paradox. Fallen die Temperaturen am Abend in Richtung der 0-Grad-Marke, werden die Obstbäume mit Wasser beregnet und so in einen dicken Eispanzer gelegt. Die zahlreichen Regner beregnen die Bäume solange, bis die Temperaturen wieder über dem Gefrierpunkt liegen. Die Methode bewirkt, dass zum Zeitpunkt des Gefrierens auf den Blüten der Bäume Wärme abgegeben wird. Eine dauerhafte Beregnung sorgt für eine konstante Temperatur über dem Gefrierpunkt im Inneren der Eisschicht und schützt so die Blüten vor dem Frost der Außentemperatur.

Diese Art des Schutzes erfordert eine Menge Wasser. Die Obstbauern im Alten Land im Landkreis Stade nutzen deshalb das Wasser aus der naheliegenden Elbe. Nicht nur in Nächten mit Spätfrost, sondern auch während Trockenphasen in den Sommermonaten ist dies effizient und schont den Grundwasservorrat. Durch die jahrelang diskutierte und mittlerweile gebilligte Elbvertiefung, die notwendig ist, damit große Containerschiffe den Elbabschnitt bis in den Hamburger Hafen passieren können, haben einige Obstbauern allerdings mit dem zunehmenden Salzgehalt im Wasser zu kämpfen. Durch die Vertiefung der Fahrrinne in der Unterelbe zwischen Hamburg und der Elbmündung bei Cuxhaven verschiebt sich nämlich die Brackwasserzone - die Zone, die je nach Gezeitenstand Süß- und Salzwasser aufweist - flussaufwärts. Salzhaltiges Wasser kann für die Beregnung der Obstbäume nicht verwendet werden.


Vor allem mit den Äpfeln aus dem Alten Land werden europaweit Einkaufsläden und Supermärkte beliefert. Und wie heißt es so schön: An apple a day keeps the doctor away. Bleibt zu hoffen, dass die Obstbauern auch in Zukunft ihre ungewöhnliche Frostschutzmethode fortführen können und wir die köstlichen Äpfel im Obstregal finden.

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